Schon im Schreibfluss?

Jeder kennt sie: die Schreibblockade

Mit welchen Worten starte ich in den Schreibprozess? Wie kann ich meine Botschaft treffend formulieren? Trifft diese E-Mail den Kern des Themas? Und kann der Leser meinen Gedankengang überhaupt nachvollziehen? Das alles und vieles mehr sind Fragen, die im Schreibprozess auftreten können. Heute müssen und wollen viele Menschen im beruflichen Kontext Texte produzieren. Für nicht wenige baut sich dabei erheblicher Druck auf. Was kann man dagegen tun? Wie gehen Profis damit um?

Die gute Nachricht: Das weiße Blatt – heute meist der leere Monitor – muss keine Bedrohung sein. Schon das Einstimmen auf das Schreiben selbst öffnet die Tür zur Kreativität. Jeder probeweise ausgesprochene oder gedachte Satz zum Thema bringt die Schreiber/innen näher ans Ziel. Jede versuchte Abfolge von Wörtern ist eine Demonstration der eigenen Fähigkeit zu formulieren und gegebenenfalls wieder umzuformulieren. Mit einem individuellen Schreibplan und passgenauen Strategien ist der Abgabetermin mühelos erreichbar.

Das richtige Konzept wirkt!


Wir plaudern aus dem „Schreibkästchen“, mit ausgewählten – weil wirkungsvollen – Strategien für kreatives Schreiben im Fluss:

  • Zuerst planen –  nicht gleich starten …

Je besser Sie einen Text planen, desto schneller sind Sie in der Umsetzung.

Was sind Ihre Kommunikationsziele, was Ihre wichtigsten Inhalte?
Was soll auf keinen Fall fehlen?
Was wollen oder müssen Sie an welcher Stelle ausdrücken?

Notieren Sie Schlagwörter, auf einem Blatt, einem Dokument oder in einer MindMap. Hauptsache Sie schaffen innere Ordnung im Kopf und gehen erst dann in die Feinplanung und Ausformulierung.

  • Verzichten Sie auf die „perfekte“ Formulierung …

Nachdem Sie Klarheit über Ihre Absichten gewonnen haben: Schreiben Sie doch einfach einmal drauf los und assoziieren Sie kreuz und quer – wenn Sie wollen wie wild. Sie können danach immer noch den Aufbau überdenken, Inhalte löschen und verschieben, korrigieren, den Stil optimieren, den Text „tunen“. Bleiben Sie im Fluss; der Feinschliff erfolgt am Schluss!

  • Setzen Sie immer wieder die Leserbrille auf! Schreiben Sie nicht für sich selbst …

Sie selbst wissen, worum es geht; versetzen Sie sich an die Stelle der Leser/innen! Das bringt inneren Abstand und strukturiert die Inhalte weiter. Was interessiert die Zielpersonen wirklich? Mit welchen Inhalten und Argumenten erreiche ich diese? Versetzen Sie sich in die Lebenswelt Ihrer Zielgruppe und verabschieden Sie sich von der angestrengten Expertenrolle – außer diese ist ausdrücklich gefragt. Viel Inhalt fällt dadurch weg und vieles wird klarer.

  • Nehmen Sie sich Zeit – und arbeiten Sie notfalls Schritt für Schritt …

Zehn Zeilen lassen sich mühelos in einer halben Minute lesen – aber um zehn Zeilen mit Substanz zu schreiben, benötigt man oft eine Stunde oder mehr.  Bei komplexen Inhalten und erfolgsentscheidenden Texten: Planen Sie genügend „Freiraum“ für Ihren Schreibprozess ein, der von äußeren und inneren Faktoren beeinflusst wird – von Telefonanrufen bis hin zu ablenkenden Gedanken!

Denken Sie an Ihre persönliche Leistungskurve und die „Störkurve“ im Büro (Wann gibt es mehr, wann weniger Störungen?), fixieren Sie „stille Schreibstunden“ mit sich selbst in Zeiten, in denen Sie konzentrationsfähig sind und äußere Stille vorfinden! So kann Sie die Muse finden und küssen…

  • Nehmen Sie inneren Druck heraus. Atmen Sie tief durch …

Stress blockiert. Lassen Sie, falls möglich, die Arbeit auch einmal „ruhen“! Nach einer gewissen Verarbeitungszeit entwickeln sich neue Ideen und textliche Verfeinerungen: Das Unterbewusstsein arbeitet für uns. Entspannungsphasen und Arbeiten „in Runden“ sind förderlich. Bei Termindruck machen Sie Mini-Pausen, lüften Sie, tun Sie was Ihnen jetzt gut tut – und lassen Sie doch mal einen Kollegen / eine Kollegin mitlesen oder sogar mitschreiben – Abstand tut gut!

  • Seien Sie sich im Klaren: Sie müssen nicht den Literaturnobelpreis gewinnen …

An diesem Vorhaben sind schon andere gescheitert. Eitelkeit verführt zu Perfektionismus und Übertreibungen. Versuchen Sie nicht durch Originalität zu imponieren, sondern bleiben sie bei der Sache! Das spart Zeit und Nerven.


Zum Abschluss eine alltagstaugliche Achtsamkeitsübung zum schnellen Fokussieren:

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Der Drei-Minuten-Atemraum

1. Kurzscreening: Willkommen in Ihrem Leben!
Nehmen Sie sich ganz bewusst vor, aus dem „Autopilotenmodus“  auszusteigen und wenden Sie sich dem zu, was jetzt ist, was sich jetzt zeigt. Was spüren, denken, fühlen, hören Sie? Welche Empfindungen haben Sie? Nehmen Sie sich ca. eine Minute Zeit für eine Bestandsaufnahme, von Moment zu Moment.

2. Achtsamkeit auf den Atem …
Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf den Atem. Einfach nur beobachten, kommen und gehen lassen, nicht verändern. Beobachten Sie das Ein- und Ausatmen, lassen Sie den Atem fließen. Haben Sie dabei Gedanken? Das ist ganz normal – der menschliche Geist ist gerne rastlos. Bemerken Sie einfach, dass diese da sind, wie so oft auch, und lenken Sie den Fokus wieder auf den Atem.

3. Achtsamkeit auf den Körper ausweiten …
Erweitern Sie Ihre Achtsamkeit zu den Körperempfindungen hin. Öffnen Sie Ihr Gewahrsein, indem Sie die Wahrnehmung Ihres Atmens und Ihres Körpers als Ganzes als Anker nutzen. Öffnen Sie sich allem gegenüber, was im Augenblick da ist und zu Ihnen dringt. Innen und außen.

Drei (unauffällige) Minuten Zeit für sich selbst – und dann herzlich willkommen im Tunsmodus! Frage: Wie fühlt sich das Schreiben jetzt an?


nach: MBCT (Segal, Williams & Teasdale, 2002, S. 184)
Der „Atemraum“ ist eine wirksame Achtsamkeitsübung, die auch in Gesundheitsprogrammen eingesetzt wird. Sie können diese Übung zwischendurch einbauen oder bei Bedarf auch ausweiten (2-10 Minuten pro Achtsamkeitsfokus).

Weitere, tatkräftige Unterstützung finden Sie hier mit unseren Schreibtrainings, Kreativitätsworkshops und Entspannungstrainings.